CO2 entsteht viel früher, als man denkt
Ein erheblicher Teil der CO2-Emissionen entsteht bereits, bevor ein Gebäude genutzt wird: durch Beton, Stahl, Transport, Verarbeitung und technische Infrastruktur. Diese sogenannten grauen Emissionen entscheiden wesentlich darüber, wie klimafreundlich ein Gebäude tatsächlich ist. Für KaepseLE zählt nicht nur, wie ein Gebäude später betrieben wird, sondern auch, wie es entsteht, genutzt und eines Tages zurückgebaut wird.
Vermeiden, reduzieren, kompensieren
Um bereits nach 15 Jahren Klimaneutralität zu erreichen, setzt das KaepseLE bei der Reduktion von CO2 nicht auf einzelne Maßnahmen, sondern mit einem genauen Blick auf die Ursachen: Wo entstehen beim Bauen die meisten Emissionen, wie lassen sie sich messen und an welchen Stellen können sie am wirksamsten reduziert und ausgeglichen werden? Daraus ergibt sich das Prinzip von KaepseLE:
Vermeiden
Emissionen sollen gar nicht erst entstehen, z. B. durch weniger Stahlbeton-Einsatz, kompaktere Konstruktionen und den Verzicht auf klassische Tiefgaragen.
Reduzieren
Unvermeidbare Emissionen werden durch Holzbau, Recyclingbeton, wiederverwendbare Bauteile und kreislauffähige Materialien reduziert.
Kompensieren
Was trotz Vermeidung und Reduktion übrig bleibt, soll über geprüfte Ausgleichswege wie regionale Klimaschutzprojekte, Aufforstung oder technische CO2-Speicherung kompensiert werden.

Drei Entscheidungen mit nachhaltiger Wirkung
Materialwahl: Weniger Beton, mehr Holz
Die Wahl der Materialien hat einen besonders großen Einfluss auf die CO2-Bilanz. Deshalb setzt das KaepseLE gezielt auf Alternativen zu klassischen Baustoffen: Beton und Stahl werden reduziert, Holz, Recyclingbeton und wiederverwendete Bauteile stärker eingesetzt.
Im Projekt werden rund 13.000 m3 Holz verbaut. Holz kann CO2 langfristig binden, wenn es dauerhaft im Gebäude genutzt wird. Gleichzeitig ist Holz kein unbegrenzt verfügbarer Rohstoff. Entscheidend sind deshalb die Herkunft, Verarbeitung und langfristige Nutzung im Materialkreislauf.

Gebäude als Materiallager
Die Gebäudekomplexe des KaepseLE werden nicht als einmalige Konstruktionen verstanden, sondern als Teil eines langfristigen Materialkreislaufs. Das Ziel ist es, Ressourcen nicht einfach zu verbrauchen, sondern möglichst lange im System zu halten.
Dafür werden Bauteile so geplant, dass sie später getrennt, wiederverwendet oder in andere Projekte überführt werden können. Damit werden lösbare Konstruktionen, sortenreine Materialien und die Dämmung aus Stroh oder recycelten Textilien zu wichtigen Kriterien in der Planung.

Mobilität: Quartiersgarage statt Tiefgarage
Klassische Tiefgaragen bestehen nahezu vollständig aus Stahlbeton und sind deshalb starke CO2-Treiber. Das KaepseLE verzichtet daher bewusst auf diese Bauweise und setzt stattdessen auf eine oberirdische Quartiersgarage.
Dadurch können, je nach Ausgestaltung der Garage und Anzahl der Stellplätze, bis zu 30 % der CO2-Emissionen eingespart werden. Gleichzeitig können Baukosten sinken, was sich wiederrum auch auf die Wohnkosten auswirken kann. Ergänzt wird das Konzept durch weniger individuelle Stellplätze, Sharing-Angebote, Fahrradinfrastruktur und eine bessere Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr.

Realität, Erkenntnisse und Ausblick
Das KaepseLE-Bauprojekt zeigt, dass zukunftsfähiges Bauen immer auch ein Balanceakt ist. Hohe Klimaziele treffen auf steigende Kosten, veränderte Märkte und praktische Anforderungen. Der Anspruch bleibt dennoch bestehen: Wohnraum zu schaffen, der ökologisch, bezahlbar und realisierbar ist.
Realität
entstehen für eine typische Wohnung mit rund 80 m² noch bevor jemand eingezogen ist.
Erkenntnisse
Durch CO2-Bilanzen, Lebenszyklusbetrachtung und den Vergleich unterschiedlicher Lösungen wird sichtbar, wo die meisten Emissionen entstehen und welche Entscheidungen tatsächlich Veränderungen bewirken.
Ausblick
KaepseLE ist kein fertiges Modell, sondern ein Projekt, aus dem sich lernen lässt. Es macht sichtbar, welche Ansätze sich übertragen lassen, wo Zielkonflikte entstehen und wie zukünftiges Bauen konkret weitergedacht werden kann.
Das KaepseLE zeigt, wie zukünftiges Bauen gelingen kann: als lernendes Projekt, das Klimaschutz, Bezahlbarkeit und Umsetzbarkeit gemeinsam denkt.
Kontakt aufnehmen
Haben Sie Fragen oder möchten Sie mehr über das KaepseLE-Projekt erfahren? Treten Sie mit uns in Kontakt – wir freuen uns, Ihnen weiterzuhelfen und alle Ihre Fragen zu beantworten!
Sophie Schkölziger
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