Wie baut man Wohnraum, der bezahlbar bleibt und trotzdem klimaneutral werden kann?

Das KaepseLE ist nicht einfach ein weiteres Wohnbauprojekt. Es ist aus einer einfachen, aber grundlegenden Erkenntnis entstanden: „Wenn wir so weiterbauen wie bisher, werden wir nicht klimaneutral.“

Deshalb betrachtet das Projekt nicht nur das fertige Gebäude, sondern den gesamten Lebenszyklus – von der Herstellung der Materialien über die Nutzung bis zum späteren Rückbau.

  • ~ 370 kg CO2/m2

    statt ca. 500–800 kg CO₂/m² bei konventionellen Neubauten
  • ~ 11.000 t CO2

    entstehen trotz ökologischer Bauweise im Gesamtquartier
  • nach ~ 15 Jahren klimaneutral

    als übergeordnetes Ziel
Visualisierung Baufeld Süd KaepseLE: Belebter Innenhof mit Sitzbereichen, Bäumen und Außengastronomie
Klimaschutz beginnt nicht erst beim Heizen

CO2 entsteht viel früher, als man denkt

Ein erheblicher Teil der CO2-Emissionen entsteht bereits, bevor ein Gebäude genutzt wird: durch Beton, Stahl, Transport, Verarbeitung und technische Infrastruktur. Diese sogenannten grauen Emissionen entscheiden wesentlich darüber, wie klimafreundlich ein Gebäude tatsächlich ist. Für KaepseLE zählt nicht nur, wie ein Gebäude später betrieben wird, sondern auch, wie es entsteht, genutzt und eines Tages zurückgebaut wird.

Wie viel CO2 steckt eigentlich in einem Wohnquartier?

CO2-Bilanzen sind wichtig, aber oft schwer einzuordnen. Deshalb wurden die Werte im Projekt immer wieder in alltagsnahe Vergleiche übersetzt. Denn erst wenn Zahlen in Relation gesetzt werden, wird deutlich, welche Größenordnung das Bauen tatsächlich hat und warum Klimaschutz schon bei der Planung beginnt.

In Relation gesetzt

    40 Tonnen CO2

    entstehen für eine durchschnittliche Wohnung mit rund 80 m2 noch bevor jemand eingezogen ist.

    10−15 Jahre Autofahren*

    entsprechen ca. der CO2-Menge, die beim Bau einer einzelnen Wohnung entsteht.

    11.000 Tonnen CO2

    entstehen trotz ökologischer Bauweise für das Gesamtquartier.

    etwa 5.500 Autos*

    die ein Jahr lang unterwegs sind, entsprechen ungefähr dem CO2-Ausstoß des gesamten Quartiers.

    5.500 Bäumen über 80 Jahre**

    braucht man theoretisch, um das gesamte Quartier zu kompensieren.

    Bis zu 3,6 KaepseLE

    kann Mammoth*** theoretisch aus der Atmosphäre absorbieren.

*ausgehend von einem durchschnittlichen Verbrenner-PKW mit einer jährlichen Fahrleistung von 15.000 km (1,7–2,0 Tonnen CO2 pro Jahr)
**ein durchschnittlicher Baum kompensiert pro Jahr ca. 10-25 kg CO2. Bei einer Lebensdauer von 80 Jahren können das also bis zu 2 Tonnen werden.
***Mammoth ist die derzeit weltweit größte CO2-Filteranlage in Island. Die Anlage kann bis zu 36.000 Tonnen CO2 pro Jahr aus der Atmosphäre filtern und im Basaltgestein versteinern.

Außenansicht des geplanten Wohnquartiers KaepseLE Goldäcker: Mehrgeschossige Holzbauten eingebettet in eine grüne Feldlandschaft
Die Idee vom KaepseLE

Vermeiden, reduzieren, kompensieren

Um bereits nach 15 Jahren Klimaneutralität zu erreichen, setzt das KaepseLE bei der Reduktion von CO2 nicht auf einzelne Maßnahmen, sondern mit einem genauen Blick auf die Ursachen: Wo entstehen beim Bauen die meisten Emissionen, wie lassen sie sich messen und an welchen Stellen können sie am wirksamsten reduziert und ausgeglichen werden? Daraus ergibt sich das Prinzip von KaepseLE:

  1. Vermeiden

    • Emissionen sollen gar nicht erst entstehen, z. B. durch weniger Stahlbeton-Einsatz, kompaktere Konstruktionen und den Verzicht auf klassische Tiefgaragen.

  2. Reduzieren

    • Unvermeidbare Emissionen werden durch Holzbau, Recyclingbeton, wiederverwendbare Bauteile und kreislauffähige Materialien reduziert.

  3. Kompensieren

    • Was trotz Vermeidung und Reduktion übrig bleibt, soll über geprüfte Ausgleichswege wie regionale Klimaschutzprojekte, Aufforstung oder technische CO2-Speicherung kompensiert werden.

Visualisierung Baufeld Mitte KaepseLE: Holzbauten mit Balkonen und Blumenwiese im Vordergrund

Drei Entschei­dungen mit nachhaltiger Wirkung

  1. Materialwahl: Weniger Beton, mehr Holz

    Die Wahl der Materialien hat einen besonders großen Einfluss auf die CO2-Bilanz. Deshalb setzt das KaepseLE gezielt auf Alternativen zu klassischen Baustoffen: Beton und Stahl werden reduziert, Holz, Recyclingbeton und wiederverwendete Bauteile stärker eingesetzt.

    Im Projekt werden rund 13.000 m3 Holz verbaut. Holz kann CO2 langfristig binden, wenn es dauerhaft im Gebäude genutzt wird. Gleichzeitig ist Holz kein unbegrenzt verfügbarer Rohstoff. Entscheidend sind deshalb die Herkunft, Verarbeitung und langfristige Nutzung im Materialkreislauf.

    Architekturzeichnung KaepseLE: Mehrgeschossige Holzbaufassade mit Balkonen und vertikaler Begrünung
  2. Gebäude als Materiallager

    Die Gebäudekomplexe des KaepseLE werden nicht als einmalige Konstruktionen verstanden, sondern als Teil eines langfristigen Materialkreislaufs. Das Ziel ist es, Ressourcen nicht einfach zu verbrauchen, sondern möglichst lange im System zu halten.

    Dafür werden Bauteile so geplant, dass sie später getrennt, wiederverwendet oder in andere Projekte überführt werden können. Damit werden lösbare Konstruktionen, sortenreine Materialien und die Dämmung aus Stroh oder recycelten Textilien zu wichtigen Kriterien in der Planung.

    Infografik KaepseLE: Materialkonzept mit Reuse, Recycle und New – zirkuläre Wertschöpfung im Holzbau
  3. Mobilität: Quartiersgarage statt Tiefgarage

    Klassische Tiefgaragen bestehen nahezu vollständig aus Stahlbeton und sind deshalb starke CO2-Treiber. Das KaepseLE verzichtet daher bewusst auf diese Bauweise und setzt stattdessen auf eine oberirdische Quartiersgarage.

    Dadurch können, je nach Ausgestaltung der Garage und Anzahl der Stellplätze, bis zu 30 % der CO2-Emissionen eingespart werden. Gleichzeitig können Baukosten sinken, was sich wiederrum auch auf die Wohnkosten auswirken kann. Ergänzt wird das Konzept durch weniger individuelle Stellplätze, Sharing-Angebote, Fahrradinfrastruktur und eine bessere Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr.

    Schnittzeichnung Quartiersgarage KaepseLE: 7 Ebenen mit offenem Parkdeck und 185 Stellplätzen

Realität, Erkenntnisse und Ausblick

Das KaepseLE-Bauprojekt zeigt, dass zukunftsfähiges Bauen immer auch ein Balanceakt ist. Hohe Klimaziele treffen auf steigende Kosten, veränderte Märkte und praktische Anforderungen. Der Anspruch bleibt dennoch bestehen: Wohnraum zu schaffen, der ökologisch, bezahlbar und realisierbar ist.

Zwischen Anspruch und Realität

    Realität

    entstehen für eine typische Wohnung mit rund 80 m² noch bevor jemand eingezogen ist.

    Erkenntnisse

    Durch CO2-Bilanzen, Lebenszyklusbetrachtung und den Vergleich unterschiedlicher Lösungen wird sichtbar, wo die meisten Emissionen entstehen und welche Entscheidungen tatsächlich Veränderungen bewirken.

    Ausblick

    KaepseLE ist kein fertiges Modell, sondern ein Projekt, aus dem sich lernen lässt. Es macht sichtbar, welche Ansätze sich übertragen lassen, wo Zielkonflikte entstehen und wie zukünftiges Bauen konkret weitergedacht werden kann.

Das KaepseLE zeigt, wie zukünftiges Bauen gelingen kann: 
als lernendes Projekt, das Klimaschutz, Bezahlbarkeit und Umsetzbarkeit gemeinsam denkt.

Kontakt aufnehmen

Haben Sie Fragen oder möchten Sie mehr über das KaepseLE-Projekt erfahren? Treten Sie mit uns in Kontakt – wir freuen uns, Ihnen weiterzuhelfen und alle Ihre Fragen zu beantworten!

Planungsamt - Abteilung Stadt- und Bauleitplanung

Sophie Schkölziger

Sabine Lorenz